Wovon du nichts ahnst: Psychothriller

Wovon du nichts ahnst: Psychothriller

by Alex Lake

NOOK Book(eBook)

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Overview

Als die Ärztin Sarah Havenant von einer alten Freundin kontaktiert und gefragt wird, welches ihr richtiges Facebook-Profil sei, geht sie dem nach. Und tatsächlich findet Sarah zwei Profile mit ihrem Namen: eines hat sie selbst angelegt, das andere hat sie noch nie gesehen. Und doch findet sie dort private Fotos von sich und ihrer Familie. Fotos, die im Inneren ihres Hauses gemacht werden. Als sie es ihrem Mann zeigen will, ist das fremde Profil gelöscht - doch ihr Leben nicht mehr ihr eigenes …

Product Details

ISBN-13: 9783959678148
Publisher: HarperCollins Publishers
Publication date: 01/04/2019
Sold by: Readbox
Format: NOOK Book
Pages: 416
File size: 4 MB

About the Author

Alex Lake ist das Pseudonym eines in den 70er Jahren im Nordwesten von England geborenen Autor, der nun in den USA lebt. Sein erster Roman "Es beginnt am siebten Tag" war bei Erscheinen eine E-Book-Sensation und in den Top 10 der Sunday-Times-Bestsellerliste.

Read an Excerpt

CHAPTER 1

Sarah Havenant warf einen Blick auf ihr Handy, während sie zu Untersuchungsraum drei eilte. Sie wartete auf eine Nachricht von ihrem Ehemann Ben, ob er ihren Sohn Miles – einen gerade mal Siebenjährigen, der sich in letzter Zeit plötzlich und unerwartet in einen rebellischen Teenager verwandelt hatte – vom Ferienlager abholen konnte, wo er eine Woche seiner Sommerferien verbrachte. Falls nicht, würde sie sofort nach Arbeitsende das Barrow Medical Center verlassen müssen, um zu der Ferienfarm zu fahren, was wiederum bedeutete, dass sie auf dem Heimweg nicht am Fitnessstudio halten und trainieren konnte.

Doch gerade heute wollte sie noch mehr als an anderen Tagen sportlich abreagieren, denn sie kam gerade von einer Patientin, der sie hatte sagen müssen, dass die Ergebnisse ihrer Tests nicht gut aussahen. Im Gegenteil, sie waren fürchterlich, und bei der speziellen Krebsform, an der die Patientin erkrankt war, bestand ihre Lebenserwartung nur noch aus Monaten statt aus Jahren.

Die Patientin, Amy, hatte die schlechte Nachricht beinahe wortlos hingenommen. Ihr Ehemann hatte angefangen, Fragen zu stellen, doch Amy war aufgestanden, hatte den Kopf geschüttelt und ihm erklärt, die Einzelheiten könnten sie später immer noch erfragen, jetzt wolle sie lediglich gehen.

»Ich möchte zu Isla«, hatte sie gesagt.

Isla war ihre neun Monate alte Tochter. Eine Tochter, die in Kürze ohne Mutter sein würde, sofern nicht ein Wunder geschah.

Deshalb brauchte Sarah heute das Fitnessstudio. Und dann würde sie nach Hause gehen, zu Ben, Miles, der fünfjährigen Faye und der zweijährigen Kim, einer warmen Mahlzeit, Gute-Nacht- Geschichten und ins Bett. Und sie würde ein Dankgebet für ihre Familie sprechen, obwohl sie in keiner Weise religiös war.

Allerdings kam keine Nachricht von Ben. Stattdessen entdeckte sie jedoch eine Facebook-Freundschaftsanfrage von jemandem, an den sie schon seit Ewigkeiten nicht mehr gedacht hatte. Mindestens zehn Jahre lang nicht.

Rachel Little.

Bei der es sich nicht wirklich um eine echte Freundin handelte. Sie war gemeinsam mit Sarah zur Barrow Highschool gegangen, aber nicht Teil ihres Freundeskreises gewesen. Genau genommen hatte Rachel zu niemandes Freundeskreis gehört. Sie passte einfach nirgendwo hin. Auf der Highschool gab es streng voneinander getrennte Zirkel: die Sportler, die Cheerleader, den Schachklub. Rachel stand auf Tarotkarten, Okkultes und merkwürdige Nahrungsmittel. Vermutlich entsprach diese Erinnerung nicht ganz der Wahrheit, aber Sarah kam es so vor, als hätte Rachel damals ausschließlich selbst gemachte Gemüsesäfte zu sich genommen, über die sie sich begeistert bei jedem ausließ, der ihr zuhören wollte.

Rachel war groß und langgliedrig gewesen, aber nicht auf eine graziöse Art. Eher so, als hätte sie nicht die volle Kontrolle über ihre Hände und Füße besessen, die sowieso nicht zu übersehen gewesen waren, weil sie niemals Röcke oder Tanktops trug, sondern immer nur Hosen und langärmelige Shirts, die für ihre langen, schlaksigen Beine und Arme viel zu kurz waren.

Trotzdem war sie eigentlich ganz nett gewesen, und es wäre schön zu sehen, was aus ihr geworden war. Das war einer der Vorteile von Facebook: Man konnte auf unverbindliche Weise mit vielen Menschen in Kontakt bleiben. Ben hielt es für Zeitverschwendung und hatte sein Profil vor einigen Monaten gelöscht, aber Sarah gefiel es. Sie mochte Menschen und war an deren Leben interessiert.

An der Tür zum Untersuchungsraum hielt sie inne. Darin befand sich ihr letzter Patient für heute, ein Hypochonder Anfang vierzig, der sich bester Gesundheit erfreute, aber absolut überzeugt davon war, todkrank zu sein. Sarah öffnete die Freundschaftsanfrage.

Hi Sarah! Ich bin's, Rachel! Ich bin erst seit Kurzem auf Facebook (du kennst mich ja, ich bin nicht gerade eine Trendsetterin ...) und habe nach dir gesucht. Ich hoffe, es geht dir gut. Ich ziehe gerade zurück nach Barrow, vielleicht können wir uns ja mal treffen. Ist das hier dein richtiges Profil oder ist es das andere (mit deinem Namen und Foto)?

Stirnrunzelnd tippte Sarah eine Antwort.

Rachel! Ich würde mich gern mit dir treffen. Bin bei der Arbeit und kann leider nicht mehr schreiben. Und ich habe nur ein Profil – dieses hier!

Sie schickte ihre Antwort ab, betrat den Untersuchungsraum und vergaß die ganze Angelegenheit.

Wie sich herausstellte, konnte Ben Miles abholen. Seine Nachricht: OK AW: Miles war typisch für ihn. Für Ben waren E-Mails und SMS Kommunikationswege für ein Maximum an Information mit einem Minimum an Wörtern. Zwar behauptete er, das läge daran, dass er Brite sei und nichts für überflüssigen Small Talk übrig habe, aber Sarah war davon überzeugt, dass er insgeheim annahm, je mehr man schrieb, desto teurer sei die Nachricht.

Sie hielt also auf dem Heimweg beim Fitnessstudio und nahm mit einigen Minuten Verspätung an einer Spinningstunde teil. Anschließend verließ sie das Gebäude mit Abby, einer Mittzwanzigerin mit einem Abschluss in Marketing. Abby hatte auf dem College Lacrosse gespielt und hatte Sarahs Meinung nach ein viel zu offensichtliches Vergnügen daran, die Moms Ende dreißig und die Seniorinnen, die den Großteil der Mitglieder der Fitnessstudios von Barrow ausmachten, beim Spinning locker hinter sich zu lassen.

»Bäh«, machte Abby. »Das war echt hart. Mir haben die Oberschenkel gebrannt! Sie ist die allerbeste Trainerin.« Mit sie war Tanya gemeint, eine Frau, die nur wenige Jahre älter war als Sarah, aber einen Körper besaß, den die Ärztin in Sarah als Wunderwerk bezeichnen würde. Tanya leitete die anspruchsvollen Kurse und gab lauthals völlig ungerührt Anweisungen, während die Teilnehmer beinahe in ihrem Schweiß ertranken.

Obwohl es für Sarah als achtunddreißigjährige Mutter von drei Kindern und mit einem Ehemann, mit dem sie ein immer noch aktives (und nicht gerade einfallsloses) Sexleben führte, beinahe ein wenig lächerlich war, schwärmte sie ein wenig für Tanya. Nicht in sexueller Hinsicht, so glaubte sie zumindest. Eher auf eine So-wäre-ich-auch-gern-Art. Sie schaute zu Tanya auf und wollte sie mit ihren Spinningfähigkeiten beeindrucken, was vermutlich nur dazu führte, dass Tanya sich wundern würde, warum Sarah so schnell außer Puste geriet und feuerrot im Gesicht wäre.

»Sie ist wirklich fabelhaft«, bestätigte Sarah. »Ich habe keine Ahnung, wie sie das macht.«

»Mit viel hartem Training«, erwiderte Abby, die Sarahs Frage mit der für jüngere Menschen typischen Wortwörtlichkeit auslegte. »Es gibt kein Geheimrezept, durch das man in Form kommt.«

»Vermutlich nicht«, musste Sarah zugeben, wobei sie sich insgeheim wünschte, es wäre anders. Sie kramte in ihrer Tasche und holte das Handy und den Autoschlüssel heraus. »Wir sehen uns hoffentlich beim nächsten Mal.«

»Ich komme zum Kurs am Donnerstag«, versprach Abby.

Sarah nickte und öffnete ihre Autotür. Dann steckte sie den Schlüssel in die Zündung und ließ den Motor an. Während sie darauf wartete, dass die Klimaanlage ansprang, blickte sie auf ihr Handy.

Sie hatte eine neue Nachricht von Rachel.

Super! Ich sag dir Bescheid, wenn ich zurück in Barrow bin. Und hier ist das andere Profil unter deinem Namen. Das bist definitiv du!

Rachel hatte einen Link geschickt. Sarah tippte ihn an und öffnete eine Facebook-Seite.

Dann runzelte sie die Stirn. Da stand ihr Name: Sarah Havenant. Sie überflog die Informationen. Verheiratet mit Ben. Mutter von drei Kindern.

Auch auf dem Profilfoto war sie abgebildet. Lächelnd blickte sie direkt in die Kamera, neben einer Schlittschuhbahn, auf der sie im vergangenen Winter häufig gefahren waren. An diesen speziellen Tag konnte sie sich genau erinnern: Sie trug die Jacke, die sie in einem Outlet-Shop in Freeport gekauft hatte. Die Jacke bestand aus irgendeinem neuen Material, federleicht, aber unglaublich warm, und Sarah hatte ständig daran denken müssen, wie gern sie solche Kleidung als Kind gehabt hätte. Während der meisten Winter war sie damals in so viele Schichten Kleidung eingewickelt gewesen, dass es beinahe unmöglich gewesen war, sich damit zu bewegen.

Doch das war jetzt unwichtig. Die eigentliche Frage war nämlich: Warum zum Teufel gab es ein Facebookprofil, auf dem jemand so tat, als wäre er sie?! Und wichtiger noch, wer hatte es erstellt?

Sie scrollte nach unten. Und erstarrte.

Der aktuellste Post stammte vom heutigen Vormittag. Es war ein Foto von Miles, Faye und Kim, die auf einem Strandtuch saßen und Erdnussbuttersandwiches aßen. Darunter stand:

Wie sich herausgestellt hat, mag Kim Sandsandwiches. Vielen Dank an ihre älteren Geschwister, die ihr den Sand ins Sandwich gesteckt haben, damit wir das herausfinden konnten!

Sarah starrte auf das Display. Das hier war kein beliebiges, sechs Monate altes Foto von ihr an einer Schlittschuhbahn. Das hier war erst gestern passiert.

Sie waren am Strand gewesen, und gegen Mittag hatten Miles und vor allem Faye ihrer jüngsten Schwester weisgemacht, dass Sandwiches so hießen, weil sich Sand darin befand. Gierig nach Aufmerksamkeit hatte Kim zustimmend genickt. Also hatten sie ihr lächelnd Mayonnaise aufs Brot gestrichen, eine großzügige Dosis frischen, warmen Sand darüber verteilt und ihr das Sandwich gereicht.

»Mmm«, hatte Kim gemacht, nachdem sie sie ermuntert hatten, hineinzubeißen. »Ich liebe Sandwiches!«

Sie waren erst spätnachmittags nach Hause gekommen, und sobald die Kinder im Bett waren, hatte Sarah den Rest des Abends damit verbracht, sich auf die Arbeit vorzubereiten. Es konnte also niemand sonst von den Sandwiches wissen.

CHAPTER 2

Langsam scrollte sie durch den Rest der Seite. Was sie sah, konnte sie kaum glauben.

Der nächste Post war ein Foto von ihr und Ben vor einigen Wochen in einem japanischen Restaurant. Sie hatten sich eine Sushi-Platte und eine Flasche Weißwein geteilt; das Foto war hinter Ben aufgenommen worden. Sie hörte ihm zu, die rechte Hand ans Glas gelegt. Darunter stand:

Kinderfreier Abend mit meinem wunderbaren Ehemann. Das müssten wir viel öfter machen!

Das war, stellte sie fest, genau die Art von banalem Post, die sie geschrieben hätte. Allerdings hatte sie das nicht getan, sondern jemand anderes. Und dazu noch viele, viele andere Posts.

Ein Foto von ihr in einer griechischen Weinbar in Portland mit Toni und Anne, ihren beiden besten Freundinnen vom College, an einem Frühlingsabend. Bildunterschrift: Yay! Mädelsabend!

Ein Foto von ihr und Jean, einer Erzieherin aus dem örtlichen Kindergarten, die Sarah schon ihr ganzes Leben lang kannte, nach einem gemeinsam bestrittenen Zehn-Kilometer-Lauf im April. Es hatte die ganze Zeit über wie aus Eimern gegossen, und auf dem Bild waren sie tropfnass und grinsten. Beschriftung: Ein bisschen feucht, aber kein Problem. Bevor wir losliefen, sagte mein reizender britischer Gatte: ›Kein Grund zur Sorge. Bei mir zu Hause ist das nur ein Nieseln‹, und holte einen Golfschirm, Handwärmer und eine Thermoskanne raus.

Das hatte Ben tatsächlich gesagt und dann an der Ziellinie teeschlürfend unter seinem Schirm gewartet.

Verdammte Scheiße. Was war das hier? Und wer steckte dahinter?

Aber es kam noch schlimmer.

Ein Foto von Fayes Vorschulaufführung von Die Rübe. Faye stand links auf der Bühne, als Möhre verkleidet.

Ein Foto der Kinder, wie sie auf dem Marktplatz einen Schneemann bauen.

Ein Foto von Sarah, die im Little Cat Café eine heiße Schokolade schlürft, einen Stapel Papiere vor sich auf dem Tisch. Sie hatte damals einen Artikel recherchiert und war ins Café gegangen, um ihre Gedanken zu sortieren.

Ein Foto ihrer neuen Küche, die über die Wintermonate eingebaut worden war. Gepostet im Februar. Bildunterschrift: Fertig! Ich finde es toll!

Und dieses Foto war in ihrem Haus aufgenommen worden.

Inzwischen lief die Klimaanlage im Auto auf vollen Touren. Kalte Luft strömte aus den Lüftungsschlitzen über sie hinweg, doch Sarah bemerkte es kaum. Die Gänsehaut an ihren Armen und Beinen kam nicht von der Luft, und die Kälte, die sie beschlich, hatte nichts mit dem Ventilationssystem zu tun.

Es waren die Fotos. Von ihr, von Ben, ihrem Haus. Von ihren Kindern.

Wer hatte das getan? Es musste jemand sein, der überall dabei gewesen war, gestern am Strand, bei dem Abend mit ihrem Mann und dem mit ihren Freundinnen. Und bei Fayes Auftritt mit der Vorschulklasse.

Das war unmöglich. Nicht mal Ben war überall dabei gewesen.

Und warum tat jemand so etwas? War das eine Art Scherz? Vielleicht waren ja alle ihre Freunde eingeweiht. Das würde die vielen Fotos erklären. Aber wozu? Was hätten sie davon? Und warum sollten sie das sechs Monate lang betreiben, ohne ihr davon zu erzählen? Warum würden sie so was überhaupt machen?

Das ergab keinerlei Sinn.

Das Schlimmste ist, dachte sie, dass ein grausamer Scherz meiner Freunde die beste Erklärung ist, auf die ich hoffen kann. Keine Ahnung, was die Alternativen sind, aber garantiert ist keine davon gut.

Sie scrollte noch einmal durch die Fotos. Das hier war nicht das Werk ihrer Freunde. Einen Witz auf ihre Kosten, ein falsches Facebook-Profil unter ihrem Namen, in dem sie unanständige Witze postete oder freizügige Einblicke in ihr Sexualleben gab – vielleicht. Aber das hier sicher nicht.

Toni war zu Collegezeiten ein Scherzbold gewesen, hatte unter dem Namen von Wildfremden Pizza an deren Adresse liefern lassen. Inzwischen hatte sie das größtenteils abgelegt, obwohl manchmal noch ein Teil ihres leicht kindischen Wesens durchschimmerte. Das würde auch immer so bleiben: Ihr Vater und ihre beiden älteren Brüder hatten nie aufgehört, sich, Toni und ihrer leidgeprüften Mutter Streiche zu spielen.

Als Sarah zum ersten Mal in dem Haus auf Cape Cod übernachtete, im Sommer nach ihrem ersten gemeinsamen Collegejahr, hatte Marty, Tonis Dad, ihnen gekochte Eier zum Frühstück serviert, und zwar in zarten Porzellanbechern mit gleichmäßig geschnittenen und mit glitzernder Butter bestrichenen Toaststücken daneben.

»Esst«, hatte er gesagt. »Das ist meine Spezialität.«

»Gekochte Eier sind keine besondere Spezialität, Dad«, hatte Toni schlaftrunken widersprochen.

»Doch. Das sind Martys gekochte Überraschungseier«, hatte er erklärt. »Haut rein.«

Sarah hatte mit dem Löffel an die Schale geklopft und sie dann abgezogen. Eine Sekunde lang verstand sie gar nichts, dann hatte sie zu Marty aufgesehen – der darauf bestand, dass sie ihn mit dem Vornamen ansprach und nicht mit »Mr. Gorchoff«, wodurch sie sich gleichzeitig erwachsen und unangenehm berührt fühlte. Sie hatte ihm erklärt, dass ihr Ei leer war. Auf dem Tisch stand nur die hohle Schale.

»Das ist die Überraschung!«, hatte er gerufen. »Eure Eier sind nicht da.« Daraufhin hatte er ihr eine Tasse Kaffee gereicht. Dankbar hatte sie einen Schluck genommen und dann noch einen. Es war eine wunderbare, vollmundige Sorte gewesen. Doch dann hatte sie plötzlich einen Farbhauch inmitten des schlammfarbenen Kaffees erspäht, der verschwand, sobald sie die Tasse gerade hielt.

Als sie die Tasse wieder ein wenig geneigt hatte, hatte sie es erkannt. Ein Eigelb. »Mr. Gor ... Marty«, hatte sie gesagt. »Hier drin ist ein Ei!«

»Das ist der zweite Teil der Überraschung«, hatte er erwidert. »Aber keine Sorge, das sind Bioeier.«

Den Rest des Wochenendes hatte sie sich ständig vor der nächsten kleinen »Überraschung« gefürchtet, war aber dankenswerter Weise verschont geblieben.

Toni jedoch war mit dieser Art von Streichen aufgewachsen, die grenzwertig gemein und ziemlich unverantwortlich waren, daher war es nicht undenkbar, dass sie ein falsches Facebook-Profil unter dem Namen ihrer Freundin angelegt hatte.

Aber niemals eins, auf dem man Sarahs Kinder sah.

Genau wie die meisten Mütter, mit denen sie befreundet war, veröffentlichte Sarah nur sehr zögerlich Fotos ihrer Kinder im Internet, ganz egal, was Facebook über seine Datenschutzrichtlinien behauptete. Daher hatte sie den Zugriff auf ihr Profil nur ihren Freunden gestattet, und auch dann achtete sie sorgfältig darauf, was sie online stellte.

Dieses Facebook-Profil war jedoch öffentlich. Alle Welt konnte sich die Fotos ansehen. Nicht mal Toni wäre für einen Scherz so weit gegangen.

Doch wer dann? Ben? Er hätte zwar Zugriff auf die Fotos von ihrem Handy, aber sie konnte sich das nicht vorstellen. Dafür hätte er das Profil auf seinem Arbeitsrechner einrichten und sichergehen müssen, dass sie keine der Benachrichtigungen und E-Mails dazu sah. Sie benutzte häufig sein Handy und überflog dann immer auch rasch seine E-Mails und Nachrichten. Darauf war sie zwar nicht besonders stolz, aber es war so. Alle davon waren beruhigend langweilig: Informationen von seinen Kollegen zu Präsentationen und juristischen Prüfungen, Anträge auf Absegnung durch den Aufsichtsrat und SMS von seinen Freunden, wo sie sich ein Spiel ansehen wollten und ob die Frauen ihnen erlaubt hatten, hinzugehen.

(Continues…)


Excerpted from "Wovon du nichts ahnst"
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