Whisky mit Mord: Kriminalroman

Whisky mit Mord: Kriminalroman

by Melinda Mullet, Ulrike Seeberger

NOOK Book1. Auflage (eBook - 1. Auflage)

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Overview

Hochprozentig kriminell. Abigal Logan, erfolgreiche Fotojournalistin Anfang dreißig, hätte nie gedacht, dass sie einmal eine Whisky-Destillerie in Schottland erben würde. Und eine Frau als Eigentümerin eines solchen Kleinods? Als sie mit ihrem Kollegen Patrick, einem Whisky-Kenner, und ihrem Terrier Liam dort ankommt, macht man ihr sehr deutlich klar, dass man sie nicht haben will. Es gibt Sabotageakte in der Destillerie, man bedroht sie, und dann findet man einen ihrer Angestellten tot im Whisky-Bottich. Ein Krimi aus den schottischen Highlands mit viel Whisky und Flair.

Product Details

ISBN-13: 9783841215215
Publisher: Aufbau Digital
Publication date: 07/13/2018
Series: Abigail Logan ermittelt , #1
Sold by: Libreka GmbH
Format: NOOK Book
Pages: 384
File size: 2 MB

About the Author

Melinda Mullet hat britische Eltern, wurde aber in den USA geboren. Sie hat mehrere Jahre als Juristin gearbeitet, sich in den USA und im Ausland um Kinderrechte gekümmert und ist viel gereist. Sie lebt in der näheren Umgebung von Washington D.C. mit ihren beiden Töchtern und ihrem Mann, der Whisky-Sammler ist.


Ulrike Seeberger, geboren 1952, Studium der Physik, lebte zehn Jahre in Schottland, arbeitete dort u.a. am Goethe-Institut. Seit 1987 freie Übersetzerin und Dolmetscherin in Nürnberg. Sie übertrug u.a. Autoren wie Lara Prescott, Philippa Gregory, Vikram Chandra, Alec Guiness, Oscar Wilde, Charles Dickens, Yaël Guiladi und Jean G. Goodhind ins Deutsche.

Read an Excerpt

CHAPTER 1

Sagst du mir jetzt endlich, warum du da hockst und aus der Wäsche schaust, als hätte dich die Katze an einem schlimmen Tag von draußen reingezerrt, oder sollte ich noch eine Flasche Wein bestellen und anfangen zu raten?«

Patrick Cooke mochte mein ältester und engster Freund sein, aber diese Bemerkung quittierte ich ihm unter dem Tisch mit einem Tritt vors Schienbein. Er verzog das Gesicht, und die goldenen Pünktchen in seinen braunen Augen blitzten auf; trotzdem musterte er mich weiter mit kritischem Blick.

»Die Fakten geben mir recht, Abi«, sagte er. »Hast du in letzter Zeit mal in den Spiegel geschaut?«

»Nur wenn es sich nicht vermeiden ließ«, gab ich zu, kippte den Rest meines Weins hinunter und streckte ihm das Glas entgegen, damit er nachschenkte.

Ich sah wahrscheinlich wirklich wie eine lebendige Leiche aus. Ich konnte mich nicht erinnern, wann ich zuletzt einen Kamm durch mein Haar gezogen hatte, und ich machte mir ohnehin nur selten die Mühe, mich zu schminken. Aber ich hatte eine besonders harte Woche hinter mir, und das will wirklich etwas heißen, denn als Fotojournalistin robbe ich den größten Teil meines Berufslebens durch den Dreck eines Krisengebietes nach dem anderen. Jetzt hatte ich verdient, dass man mich ein bisschen in Ruhe ließ. Da hatte es heute gerade noch gefehlt, dass mich Patrick mit seinen makellos aufeinander abgestimmten Klamotten und seinem perfekt gegelten Haar abkanzelte.

Heute Abend wirkte er noch mehr als sonst fehl am Platz neben all den leicht verlotterten Journalisten und Medienleuten, die in dieser Gegend der Fleet Street in London zu Hause sind. Doch das Scrivener's Arms war nun schon seit über zehn Jahren unser regelmäßiger Treff nach der Arbeit, und ich weigerte mich, nur deswegen in die schickeren Bars im West End abzuwandern, weil man Patrick kürzlich zum stellvertretenden Herausgeber des Magazins Wine and Spirits Monthly befördert hatte.

»Du solltest besser auf dich achten, weißt du«, tadelte mich Patrick und zog vorsichtshalber seine Beine aus der Schusslinie. »Du bist auch nicht mehr so jung, wie du mal warst.«

»Vierunddreißig ist ja wohl kaum ein biblisches Alter. Und außerdem ist es hier allen egal, wie ich aussehe. Besonders wenn ich im Einsatz bin.«

»Du meinst, es ist dir egal. Aber du kommst nicht mehr unerkannt unter dem Radar durch. Die Leute wissen, wer du bist. Zumindest in unserer Branche kennt jeder den Namen Abigail Logan. Du hast mehr Preise gewonnen als sonst wer, von dem ich wüsste.« Patrick hob eine Hand, ehe ich ihn unterbrechen konnte. »Und du hast sie alle verdient. Deine Bilder sind großartig.«

Ich reagierte gereizt. »Ich will nicht berühmt sein«, beharrte ich. Ich stand nun mal nicht gern im Rampenlicht; das war Patricks Sache. Als wir uns damals auf der Universität kennenlernten, war ich es zufrieden, mich im Forschungslabor der Psychologieabteilung zu vergraben und zu untersuchen, wie das Gehirn funktioniert. Ein Experiment über die Auswirkungen von Schlafentzug brachte dann Patrick in mein Leben. Er kam als Versuchskaninchen und ist eigentlich nie wieder gegangen. Wir waren ein unwahrscheinliches Duo – ich war Einzelgängerin, und Patrick war nie allein –, aber irgendwie haben wir einander ergänzt, und es ging uns beiden besser, wenn wir in der Gesellschaft des anderen waren.

Patrick ermutigte mich in meiner Liebe zur Fotografie. Mit der Zeit faszinierte es mich immer mehr, wie sich die Psyche auf dem menschlichen Gesicht widerspiegelt. Schließlich begann ich, Fotos als eingefrorene Momentaufnahmen der Gedanken in den Köpfen der Menschen zu begreifen. Wie besessen studierte ich Gesichter, und es stellte sich heraus, dass ich ein großes Talent für Porträtaufnahmen besaß. Ehe ich es mich versah, zerrte mich Patrick zu einem Vorstellungsgespräch für einen Sommerferienjob bei The London Gazette. Zwölf Jahre später war ich immer noch dort, bannte in allen finsteren Winkeln der Welt echte Menschen in echten Krisenaugenblicken auf meine Fotos.

Ich seufzte tief. »Ich wollte immer nur ein bisschen die Welt verändern.«

»Du hast sie verändert«, argumentierte Patrick. »Ich bin derjenige von uns beiden, der sich seinen Lebensunterhalt mit Weinkritiken verdient. Warum stellst du plötzlich dein Licht unter den Scheffel?«

»Das Nachrichtengeschäft wandelt sich«, jammerte ich. »Ich habe mich heute Nachmittag mit meinem Redakteur getroffen, um die Fotos durchzugehen, die ich letzte Woche in Sierra Leone gemacht habe. Herzzerreißende Bilder. Wenn er die brächte, könnte niemand mehr ignorieren, was da passiert, aber er will sie nicht. Er hat Angst, dass er Anzeigeneinnahmen verliert.«

»Du weißt doch, dass es heute nur noch ums Geld geht.«

»Das sollte es aber nicht. Also habe ich ihm gesagt, dass er seinen nächsten Auftrag behalten und was er sonst noch damit machen kann ...«

Patrick starrte mich mit weit aufgerissenen Augen an, war einen Augenblick sprachlos. »Du hast gekündigt?«

»Ich hab's versucht. Er meinte, ich hätte wohl einen akuten Anfall ›weiblicher Hysterie‹, und hat mir ein paar Tage unbezahlten Urlaub verordnet, um ›meine Position zu überdenken‹«, erwiderte ich und zerfetzte meine Serviette in einen Schneesturm winziger Papierschnipsel. »Ich habe noch neun Monate in diesem elenden Vertrag. Wenn ich den jetzt breche, kostet es mich ein verdammtes Vermögen. Ich hätte ihm gern gesagt, er könne mich mal gernhaben, aber ich kann mir nicht mal mehr meine eigenen Prinzipien leisten.«

»Warum arbeitest du nicht freiberuflich, sobald dieser Vertrag abgelaufen ist? Du bist doch jetzt bekannt genug. Du musst nicht mal mehr ins Ausland gehen. Auf den Straßen Großbritanniens wimmelt es nur so vor unterdrückten Emotionen und Feindseligkeiten zwischen den Kulturen, die sich im kalten, feuchten Klima verfestigen. Such dir Arbeit näher an Zuhause, schlaf mal wieder in deinem eigenen Bett und verbringe mehr Zeit mit Ben, solange du noch kannst.«

Ich vergrub das Gesicht in den Händen. Zu viele schmerzliche Gefühle durchströmten mich, und die Tränen, die ich den ganzen Abend zurückgehalten hatte, schossen hervor.

»Abi? Was ist denn los?« Patrick beugte sich über den Tisch. »Ich kenn dich doch. Hier geht's um mehr als nur eine philosophische Streiterei mit deinem Boss.«

Ich brauchte eine Minute, bis ich meine Stimme wieder beherrschte. Ich hätte es ihm gleich als Erstes sagen sollen, aber jedes Mal, wenn ich es aussprach, wurde es wirklicher, schmerzhafter.

Ich holte bebend tief Luft. »Ich war noch in Afrika, als ich eine Nachricht von Bens Ärztin in Schottland erhielt, dass es ihm sehr schlecht ginge. Ich bin gleich mit einer Militärmaschine zurückgeflogen, aber als ich in London ankam, war er schon gestorben.«

Patricks sonst dauerhaft sarkastische Miene wich einem Ausdruck echter Besorgnis. »Oh, Abi, das tut mir leid, so sehr leid.«

Ich versuchte, mich auf mein Glas zu konzentrieren, beobachtete, wie die Umrisse verschwammen, als mir wieder die Tränen in die Augen traten. »Ich hätte dich ja früher angerufen, aber deine Assistentin meinte, dass du dir in Berlin auf irgendeiner Pressereise die Nase begießt, und da wollte ich nicht stören.«

»Das ist doch albern, du hättest anrufen sollen. Was ist passiert? Ich dachte, es wäre ihm vor deiner Abreise besser gegangen.«

»Ist es auch. Zumindest hat er durchgehalten. Aber dann hat er eine Lungenentzündung bekommen. Nach der letzten Runde Chemo war er nicht mehr stark genug, um noch dagegen anzukämpfen.«

Patrick streckte die Hand über den Tisch und drückte meinen Arm. »Ich weiß, das ist ein schwerer Schlag, aber selbst wenn du es geschafft hättest, früher zurückzukommen, hättest du nichts machen können, um das aufzuhalten.«

»Ich hätte bei ihm sein können. Nach allem, was wir zusammen durchgemacht haben, ist er jetzt allein gestorben.« Ich senkte die Stimme, als die Leute vom Nebentisch zu uns herüberstarrten. »Ich habe nicht erwartet, dass das Ende so schnell kommen würde. Ich dachte, wir hätten noch mehr Zeit.«

»Abi, quäle dich deswegen nicht«, beharrte Patrick. »Du weißt, er würde dir keine Vorwürfe machen.«

»Aber ich mache mir Vorwürfe.« Wir verfielen in Schweigen, jeder in seine eigenen Gedanken versunken.

Patrick hatte recht. Ben würde mir niemals Vorwürfe machen, aber ich konnte es mir nicht verzeihen. Ben war in meiner dunkelsten Stunde für mich da gewesen, und am Ende hatte ich ihn im Stich gelassen. Über fünfundzwanzig Jahre waren vergangen, doch die Erinnerung daran, wie ich allein und verängstigt im Krankenhaus aufwachte, war mir noch so frisch im Gedächtnis, als wäre es gestern gewesen. Ein ganz gewöhnlicher Abend im Kino, eine kurze Autofahrt nach Hause, ein blendend helles Scheinwerferlicht und dann Dunkelheit. Mit acht Jahren war es mir unmöglich erschienen, dass meine Eltern für immer fort sein sollten, doch diese unergründliche Wirklichkeit ließ meine Welt völlig aus der Spur geraten. Onkel Ben war der einzige feste Boden unter meinen Füßen. Unsere ohnehin schon winzig kleine Familie war nun auf zwei zusammengeschrumpft, und wir klammerten uns aneinander wie verlorene Seelen, die auf hoher See treiben.

Ben war ein bekannter und erfolgreicher Londoner Aktienhändler und hatte sich keine Zeit für eine Frau und eine Familie genommen. Doch nach dem Tod seines Bruders und seiner Schwägerin schlüpfte er voller Begeisterung in die Vaterrolle. Er nahm mich zusammen mit vier Goldfischen, zwei Hamstern, einem Gecko und einer wilden Sammlung von Büchern, Malsachen und schlammigen Fußballschuhen in seinem Stadthaus in Chelsea auf. Es war, als wären die Kinderabteilung von Harrods und der Architectural Digest zusammengeprallt, aber gegen alle Wahrscheinlichkeit schaffte es Ben, dass alles funktionierte.

Wenn ich jetzt auf diese Zeit zurückblicke, weiß ich nicht, wie er das bewerkstelligt hat. Er hatte völlig wahnwitzige Arbeitszeiten, aber das hat ihn nie davon abgehalten, stets in meiner Nähe zu sein. Er hat sich immer Zeit für mich genommen. Laut der Rektorin in der Schule war ich »ein schwieriges Kind«, aber das hat Ben nie akzeptiert. Er trat für mich ein. Wenn die Lehrer mich stur und bockig fanden, beharrte Ben darauf, dass ich kreativ und ein Freigeist sei. Ich hatte leidenschaftliche Meinungen zu allem. Das machte mich rechthaberisch und oft aggressiv, aber Ben fand, ich besäße einfach einen starken moralischen Kompass. Er sah stets das Beste in mir, wenn die anderen das nicht erkennen konnten. Und jetzt, da er fort war, verzweifelte ein kleiner selbstsüchtiger Teil von mir, weil niemand das je wieder machen würde.

»Was passiert jetzt?«, fragte Patrick vorsichtig.

Ich schnäuzte mich in die letzte verbliebene Serviette, setzte mich auf und langte nach meiner Tasche. »Ich hatte gestern unendlich lange Besprechungen mit Bens Anwälten. Ganze Bände von Rechtschinesisch. Ich versteh nicht mal die Hälfte davon, aber sieh dir mal das hier an.«

Patrick überflog die Seiten, die ich ihm reichte. »Er hat dir beinahe alles vermacht. Keine Überraschung, denn du bist ja die einzige Familie, die er hatte ...«

»Lies weiter.«

»... alle Ländereien und Liegenschaften ...«

»Das ist es. Das mit den Ländereien und Liegenschaften.«

»Er hat also Liegenschaften in Schottland?«

»Leider ja. Er ist schon seit Jahren immer wieder da hochgefahren, weil er ein paar wichtige Kunden in Edinburgh hatte. Aber vor fünfzehn Jahren hat er sich eine neue Verrücktheit geleistet und eine heruntergekommene Whisky-Brennerei erworben. Die ist seither sein schräges Hobby. Als er sich vor sechs Jahren entschlossen hat, sich zur Ruhe zu setzen, hat er auch noch das danebenliegende Bauernhaus gekauft und viel Zeit da oben verbracht.«

»Und du hast die Destillerie geerbt?«, fragte Patrick und versuchte, das Lächeln zu unterdrücken, das um seine Mundwinkel spielte.

»Nicht nur geerbt. Er hat mir die Kontrolle über das gesamte Geschäft überschrieben, und es sieht ganz so aus, als wäre jemand gar nicht erfreut darüber. Das hier ist in der Nacht unter meiner Tür durchgeschoben worden.« Ich reichte Patrick einen Umschlag, auf dem sich weder ein Absender noch ein Poststempel befand. Er zog die schlichte Karte heraus und las:

Keine Frau sollte das Lebenswasser besitzen,

Versuch's und du stirbst vom Messer, dem spitzen.

»Furchtbarer Reim«, merkte Patrick an.

»Ich brauche keine literarische Analyse. Das ist eine bizarre Todesdrohung. Ich habe ›Lebenswasser‹ nachgeschlagen. Es ist die Übersetzung des alten gälischen Wortes für Whisky. Das muss jemand geschickt haben, der was mit der Destillerie zu tun hat.«

»Vielleicht hat sich da irgendein keltischer Miesepeter einen schlechten Scherz erlaubt.«

Ich funkelte Patrick über den Tisch hinweg an. »Das ist nicht komisch. Es macht mir Angst.«

»Waren die Leute freundlich, als du früher dort zu Besuch warst?«

»Ich war noch nie da.«

Patrick schaute mich verdattert an. »Du meinst, du hast den Ort noch nie gesehen?«

»Ländliches Schottland, für meinen Geschmack etwas zu rustikal.«

»Sagt die Frau, die sich ihr halbes Leben lang in Drittweltländern vor Gewehrkugeln weggeduckt hat.«

»Mein Reiseprogramm ist in letzter Zeit brutal gewesen, da muss ich nicht auch noch in meiner Freizeit in die schottische Wildnis fahren. Außerdem war Ben, nachdem er seine Krebsdiagnose bekommen hatte, so regelmäßig zur Behandlung hier in London, dass ich ihn beinahe so oft gesehen habe wie in den Zeiten, als er noch hier wohnte. Und weit wichtiger: Ich wollte diese Brennerei nicht sehen. Ich habe sogar versucht, ihn dazu zu überreden, sie aufzugeben. Ich hatte Angst, dass sie ihn zu viel Kraft kostete, aber er behauptete steif und fest, sie gäbe ihm mehr Schwung, als sie ihn kostete.«

»Und wie heißt Bens Destillerie?«

»Abbey irgendwas«, sagte ich, während ich das Dokument durchblätterte. »Hier steht's ... Abbey Glen.«

»Du machst Witze.« Patrick runzelte die Stirn. »Wieso wusste ich nicht, dass Ben der Besitzer von Abbey Glen ist?«

»Weil ich nie zugelassen habe, dass ihr beide über die Arbeit redet, wenn wir uns getroffen haben. Aber egal. Du hast schon von der Destillerie gehört? Was kannst du mir drüber erzählen?«

Patrick schüttelte verwundert den Kopf. »Abbey Glen, das ist einer der angesagtesten aufstrebenden Hersteller von Single Malt Whisky in Schottland. Klein und sehr teuer, eine Nobeldestillerie. Wirklich etwas, das zu Ben passt. Echte Klasse.«

»Ben hat nie halbe Sachen gemacht.« Ich seufzte. »Ich hätte es wissen müssen, dass er auch einen anständigen Whisky produzieren würde.«

»Anständig? Mehr als anständig. Der ist exquisit. Elegant, seidig, komplex ...«

»Halt!« Ich hob protestierend die Hand. »Wir sprechen hier von Schnaps, nicht von Kunst. Das hört sich an wie bei Ben, wenn er dieses Zeug in den schillerndsten Farben beschrieben hat.«

»Kenner nehmen eben ihre Malts sehr ernst«, erwiderte Patrick steif.

»Werd nicht pampig. Ich brauche deine Hilfe. Tatsache ist: Was ich über den Betrieb einer Whisky-Destillerie weiß, würde in ein Schnapsglas passen, und dann wäre da noch viel Luft nach oben. Das wissen aber die Leute von Abbey Glen nicht. Wieso kriege ich dann Morddrohungen?«

Patrick dachte mit schmerzlich verzerrtem Gesicht über diese Frage nach. »Für die Schotten ist Whisky mehr als nur ein Getränk, Abi – eher eine Passion. Wie das Touristenbüro sagt: ›Viel geliebt als Teil unserer Kultur und des Erbes unserer Nation‹«, intonierte Patrick mit seiner besten Moderatorenstimme. »Einen handwerklich gefertigten Single Malt wie den Abbey Glen zu brennen, dass ist eher Kunst als Wissenschaft. Eine Kunst, der ein Mann sein ganzes Leben weihen kann, um sie zu perfektionieren.«

»Ein Mann?«

Patrick schnitt eine Grimasse. »Ich kenne ein paar Frauen, die im Marketing und im Vertrieb arbeiten, aber keine einzige in der eigentlichen Destillerie. Das Brennen ist so ziemlich ausschließlich den Männern vorbehalten. Echte alte Männerseilschaften.«

»Also hat mich Ben mitten in so einen sexistischen Revierkampf katapultiert?«

»Leider ja. Ich würde mich nicht darauf verlassen, dass die Jungs von Abbey Glen dir den roten Teppich ausrollen.«

»Das kommt mir bekannt vor.«

»Vielleicht, aber solche Drohungen solltest du trotzdem nicht erhalten. Drohungen, die vielleicht ernst gemeint sein könnten. Ruf die Polizei an.«

Ich zuckte mit den Achseln und gab mir alle Mühe, meine unguten Vorahnungen vom Tisch zu wischen. »Das hat keinen Sinn. Da krieg ich nur die übliche Antwort: ›Haben Sie keinen Humor? Ein Dummerjungenstreich.‹ Und damit ist die Sache für sie erledigt.«

»Möglicherweise«, sagte Patrick ohne große Überzeugung, »aber die Drohungen könnten doch ernst gemeint sein. Was machst du jetzt?«

»Die Trauerfeier für Ben ist am Samstag in der Kirche, nicht weit von seinem Wohnhaus, und niemand wird mich daran hindern, dort hinzugehen. Ich habe das ganze Wochenende Sonderurlaub aus familiären Gründen, und mein Chef hat mir außerdem noch zwei Wochen gegeben, um mein Leben auf die Reihe zu kriegen, ehe ich endgültig wieder zur Arbeit zurückmuss. Zwei Wochen sollten reichen, um Bens Nachlass zu ordnen und zu klären, was immer das hier ist.«

Patrick verdrehte die Augen. »Das klingt überhaupt nicht riskant. Der Gedanke gefällt mir gar nicht, dass du allein dort rumläufst und von irgendeinem durchgeknallten Whisky-Fanatiker verfolgt wirst. Ich gehe mit auf die Beerdigung.«

(Continues…)


Excerpted from "Whisky mit Mord"
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