Ich will!: Roman

Ich will!: Roman

by Johanna Driest

NOOK Book(eBook)

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Overview

God is a DJ … and life is a dancefloor Es sind Sommerferien und eigentlich müsste sich Mona von morgens bis abends bestens amüsieren. Stattdessen ist Trübsal Blasen angesagt: Ihre Mutter ist allein mit ihrem Freund im Urlaub, die beste Freundin Jeka weilt auf einem Pferdehof und Bruder Justin blockiert ständig das Bad. Als die Laune auf dem Tiefpunkt angelangt ist, steht plötzlich die coole, junge Tante Alexa vor der Tür und sorgt mit ihrem chaotischen Liebesleben für Aufregung.

Product Details

ISBN-13: 9783641026769
Publisher: Heyne Verlag
Publication date: 08/03/2009
Sold by: Bookwire
Format: NOOK Book
Pages: 258
File size: 984 KB

About the Author

Johanna Driest, geboren 1990 in Miami, ist die Tochter von Burkhard Driest. Bis 2006 lebte sie mit ihrer Mutter und Bruder in Hamburg, dann zog sie zu ihrem Vater nach Ibiza, wo sie den englischen Schulabschluss absolviert hat und heute lebt. Nach ihrem von der Presse gefeierten Roman Crazy for Love folgten die Romane Ich will und Das Blaue vom Himmel. Heart Beats Sex ist ihr vierter Roman im Heyne Verlag.

Read an Excerpt

Ich musste irgendetwas Katastrophales tun. Zwar hatte ich mir geschworen, bis zum Ende meiner Schulzeit unschuldig zu bleiben. Doch ich steckte schon jetzt in der totalen Krise, und es waren noch drei Jahre bis dahin. Meine Wut war so groß, dass ich beschloss, den Schwur zu brechen.
Zuerst einmal heulte ich einen ganzen Abend. Grundtonart: Bin ich ewig eine Gefangene? Dominante: Nur weil ich jung bin? Subdominante: Wieso tu ich mir das an? Bläsersatz: Warum nicht poppen, bis die Heide wackelt?
Werde bloß nicht schwanger!, war der tägliche Gebetsruf meiner Mutter. Dabei war ich erst fünfzehn. Außerdem war ich noch unschuldig. Wieso also behandelte sie mich wie eine rollige Katze?
Aber gut, mama mia, schluchzte ich (im Falsett), damit sehe ich auch deinen Schwachpunkt: meine Unschuld (im Sopran).
Mama war schuld an meinem jämmerlichen Zustand. Sie hatte die letzten Wochen vor den Sommerferien gewusst, dass ich nicht zu Papa, sondern zusammen mit meinen besten Freundinnen verreisen wollte. Sie hatte nicht ausdrücklich zugestimmt, sondern es ständig in der Schwebe gelassen, so dass ich annehmen musste, es wäre okay. Natürlich hätte ich sie zu einer Entscheidung drängen können, aber das wäre dann ein willkommener Anlass gewesen, meinen Wunsch abzuschlagen. ("Wenn du so drängelst, dann sage ich gleich nein.") Die Zeit lief ab. Wie sollte ich denn noch einen Platz auf dem Reiterhof buchen?
Schließlich hatten wir den ersten Ferientag. Ich wartete total genervt ab, dass sie vom Dienst nach Hause käme, und als sie endlich da war, ließ sie mich gar nicht zu Worte kommen, sondern rastete aus, weil Küche und Bad so ein Saustall seien. Und dann kam ihr Nein: "Du räumst sofort auf! Und was die Ferien anbetrifft - ihr fahrt zu eurem Vater, Punkt und Ende!"
Wie kann man normal in einer Familie aufwachsen, die jeden Spaß im Ansatz erstickt? Und sogar das große Sommerferienglück nicht auslässt. In Deutsch hatten wir das diskutiert und die einhellige Meinung war, Ferien seien einfach ein anderer Ausdruck für Glück, Freiheit und Spaß.
Mein Schicksal war einmalig, denn alle anderen aus meiner Klasse verreisten. Jeka fuhr auf den Reiterhof in der Nähe von München, wohin ich mitwollte.
Ich hätte sogar noch die Einladung meiner Tante Alexa nach München angenommen, aber auch das hatte Mama verboten. Obwohl Alexa ihre Schwester ist und kein Teenie, der immer nur Party machen will, sondern Lehrerin für Französisch und Geschichte.
Während die anderen an die See fuhren, in die Berge oder in die Heide, wo sie zu geilen Open-Air-Sessions wanderten, sollten wir zu Hause hocken und Wohnung putzen üben. Mamas Denkmal aus Sauberkeit und Ordnung. Ich fühlte mich wie eine Gefangene in unserer winzigen Dreizimmerwohnung für vier Leute, ohne Garagenplatz.
Mama hatte ihren extremsten Charaktereinbruch, den ich bislang an ihr erlebt hatte. Sie killte die Ferien!
"In der Zeit bis zu eurer Abreise nach Ibiza könnt ihr euch mal dran gewöhnen, Ordnung zu halten", waren ihre letzten Worte beim Abschied vor zwei Tagen gewesen. Dann war sie mit Manni in den Urlaub verschwunden.
"Die Sauberkeit der Wohnung und die Sauberkeit der Moral sind ihre beiden Themen", erklärte ich meinem Bruder, als wir dem Taxi hinterherwinkten.
Er machte seinen typischen Justin-Sound, eine Mischung aus Kreischen und Lachen: "Moral und Sauberkeit, na klar."
Wir hörten auf zu winken und gingen ins Haus.
"Jeden Tag nervt sie, dass ich nicht schwanger werden soll."
Justin trat gegen die Wohnungstür, die aufflog. "Was hat das mit Moral zu tun? Sie will nicht den Schlamassel."
Okay, noch eine Kränkung. Es ging ihr bestimmt nicht um mich, sondern um die Unordnung, die meine Schwangerschaft in ihr Leben bringen würde. Seitdem hörte ich ihr tägliches Wird-bloß-nicht-schwanger! nicht als Gebets-, sondern als Schlachtruf.
Was die Ferien anbetraf, war Justin genau so abgetörnt wie ich. Er hatte auch wegwollen. "Ich will, dass alles tipptopp ist, wenn wir zurückkommen!", blökte er tagelang ihren Bannfluch durch die Wohnung.
Natürlich rührte er keinen Finger. Also machte ich auch nicht sauber. Musik dröhnte den ganzen Tag durch die Wohnung, Hiphop, der Justin den Verstand raubte, und ich brüllte das heiße Sommerlied von Pink dagegen an. "God is a DJ, life is a dance floor. Love is the rhythm. You are the music."
So vergingen die letzten Tage, und bald erlaubten Chaos und Müll nicht mehr, dass ich tanzte. Ich tanze, seit ich vier Jahre bin. Tanzen ist für mich Ich tue, was ich will. Eine Antwort auf die Welt, die mich nicht versteht. Überall schmutzige Wäsche, Decken, Kissen, leere Plastikflaschen, Konservendosen, mit denen Justin Fußball spielte, dreckige Teller, Spiele, Justins Fußbälle, Bücher und CDs, sogar ein umgekipptes Regal bedeckten den Boden und füllten die Wohnung. Ich konnte nur über Berge von Mamas und Mannis Klamotten, die aus ihrem Kleiderschrank quollen, durch mein Zimmer. (Ihr Kleiderschrank steht in meinem Zimmer! Der quallige Manni kommt rein, wechselt sein Hemd, grinst und lässt seinen Geruch zurück. Danke schön auch, da kann ich super weiter Schularbeiten machen. Soviel zum Thema Moral und Grenzen respektieren. Oder: Ich rufe "Mami!", und es kommt Manni und fragt, ob er mir helfen kann. Auch eine missglückte Grenzziehung. Deswegen heißt sie bei mir Mama, seit es Manni bei uns gibt.)
Nachdem sie nach Fuerte abgereist waren, dachten wir, wir könnten jetzt Party machen. Aber sie hatten uns kein Geld dagelassen. Wir durften zwar beim Supermarkt an der Ecke anschreiben lassen, doch nur die Sachen, die sie vorher mit dem Verkäufer abgesprochen hatte, und das waren: Milch, Schwarzbrot, Äpfel, Birnen, Karotten, Quark und Flora, Tiefkühlpizza, Nudeln und ein Magnum pro Woche.
Meine Laune wurde von Tag zu Tag schlechter. Als Jeka mich vom Reiterhof aus anrief und ich ihr erzählte, dass ich versuchte, mich in den Schlaf zu flüchten, meinte sie, man sollte die Energie nicht aus dem Schlaf, sondern aus dem Essen ziehen. Dann werde man zwar fett wie Presswurst, aber wach wie ein durch den Käfig tobender Rhesusaffe.
War schwer, ihrem Rat zu folgen, denn der Kühlschrank war noch leerer als sonst. Und wenn was da war, fraß mein Bruder es blitzschnell auf.

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