Children of Blood and Bone: Goldener Zorn

Children of Blood and Bone: Goldener Zorn

by Tomi Adeyemi, Andrea Fischer

NOOK Book1. Auflage (eBook - 1. Auflage)

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Overview

Sie töteten meine Mutter.Sie raubten uns die Magie.Sie zwangen uns in den Staub.Jetzt erheben wir uns.Zélies Welt war einst voller Magie. Flammentänzer spielten mit dem Feuer, Geistwandler schufen schillernde Träume, und Seelenfänger wie Zélies Mutter wachten über Leben und Tod. Bis zu der Nacht, als ihre Kräfte versiegten und der machthungrige König von Orïsha jeden einzelnen Magier töten ließ. Die Blutnacht beraubte Zélie ihrer Mutter und nahm einem ganzen Volk die Hoffnung.Jetzt hat Zélie eine einzige Chance, die Magie nach Orïsha zurückzuholen. Ihre Mission führt sie über dunkle Pfade, wo rachedurstige Geister lauern, und durch glühende Wüsten, die ihr alles abverlangen. Dabei muss sie ihren Feinden immer einen Schritt voraus sein. Besonders dem Kronprinzen, der mit allen Mitteln verhindern will, dass die Magie je wieder zurückkehrt …Der internationale Bestseller! Große Kinoverfilmung bereits in Arbeit bei Fox 2000 ("Twilight", "Das Schicksal ist ein mieser Verräter")

Product Details

ISBN-13: 9783104908724
Publisher: FISCHER E-Books
Publication date: 06/27/2018
Series: Legacy of Orïsha Series , #1
Sold by: Bookwire
Format: NOOK Book
Pages: 624
Sales rank: 349,094
File size: 2 MB
Age Range: 14 - 17 Years

About the Author

Tomi Adeyemi, geboren 1993, ist eine amerikanische Autorin nigerianischer Herkunft. Von ihren Wurzeln hat sie sich zum stärksten Fantasy-Debüt der letzten Jahre inspirieren lassen, das direkt auf Platz 1 der "New York Times"-Bestsellerliste einstieg. Nachdem sie ihr Literaturstudium in Harvard erfolgreich abgeschlossen hatte, widmete sie sich der westafrikanischen Mythologie und Kultur. Gerade schreibt sie am zweiten Band der "Children of Blood and Bone"-Trilogie.

Read an Excerpt

CHAPTER 1

Zélie

Wähl mich!

Ich muss mich zusammenreißen, um nicht laut auf mich aufmerksam zu machen. Nervös kralle ich die Fingernägel in meinen Stab aus MarulaEiche, damit ich nicht aufspringe. Schweißperlen laufen mir über den Nacken. Ich weiß nicht, ob es an der morgendlichen Hitze liegt oder an meinem laut klopfenden Herzen. Mond um Mond wird ein anderes Mädchen ausgewählt.

Heute muss ich einfach an der Reihe sein.

Ich schiebe mir eine Strähne meines schneeweißen Haars hinters Ohr und bemühe mich, so gut ich kann, nicht zu zappeln. Wie immer lässt sich Mama Agba mit ihrer Entscheidung schrecklich viel Zeit. Sie blickt alle Mädchen so lange an, bis wir uns vor Ungeduld winden.

Konzentriert zieht sie die Augenbrauen zusammen. Die Falten auf ihrem kahlen Schädel werden noch tiefer. Mit ihrer dunkelbraunen Haut und dem Kaftan in gedeckten Farben sieht sie aus wie alle Ältesten im Dorf. Niemand würde vermuten, dass eine Frau ihres Alters todbringend sein kann.

»Ähm ...«, räuspert sich Yemi vorne in der Ahéré, eine nicht besonders dezente Erinnerung daran, dass sie diese Prüfung bereits bestanden hat. Grinsend dreht sie ihren handgeschnitzten Stab. Sie will auch endlich erfahren, wer heute gegen sie antreten soll. Die meisten Mädchen ziehen bei der Aussicht, gegen Yemi zu kämpfen, den Kopf ein, nur ich kann es kaum abwarten. Ich habe geübt und bin bereit.

Ich weiß, dass ich sie besiegen kann.

»Zélie.«

Mama Agbas schwache Stimme durchbricht die Stille. Ein kollektiver Seufzer der Erleichterung entfährt den fünfzehn Mädchen, die nicht aufgerufen wurden. Mein Name hallt durch die Ahéré mit ihren geflochtenen Schilfwänden, bis ich begreife, dass Mama Agba tatsächlich mich gewählt hat.

»Ich? Wirklich?«

Sie presst die Lippen aufeinander. »Ich kann auch eine andere nehmen ...«

»Nein!« Hastig springe ich auf und verbeuge mich. »Danke, Mama. Ich bin bereit.«

Durch ein Meer von braunen Köpfen schreite ich nach vorn. Bei jedem Schritt setze ich die nackten Füße fest auf das Schilf des Hüttenbodens, prüfe meinen Halt, damit ich diesen Kampf gewinne. Wenn ich die Prüfung bestehe, steige ich eine Stufe auf.

Am Rand der schwarzen Matte, die unseren Kampfplatz darstellt, verbeugt sich Yemi als Erste. Sie geht davon aus, dass ich es ihr nachtue, doch ihr hochmütiger Blick weckt meinen Trotz. Ihre Haltung vermittelt keinen Respekt, verspricht keinen fairen Kampf. Sie meint, ich sei ihr unterlegen, weil ich eine Divîné bin.

Sie glaubt, ich würde verlieren.

»Verbeug dich, Zélie!« Obwohl die Warnung in Mama Agbas Stimme deutlich zu hören ist, kann ich mich nicht überwinden. Ich bin Yemi so nah, dass ich nur ihr üppiges schwarzes Haar und ihre kokosnussbraune Haut sehe, so viel heller als meine. Ihr Teint hat das zarte Braun der Orïshaner, die keinen einzigen Tag in der Sonnenglut geschuftet haben. Ein privilegiertes Leben, bezahlt vom Schweigegeld eines Vaters, den sie nie gekannt hat, ein Adliger, der seine uneheliche Tochter voller Scham in unser Dorf verbannte.

Ich drücke die Schultern nach hinten, schiebe die Brust vor und recke mich, anstatt mich zu verbeugen. Yemi hat andere Gesichtszüge als die Divînés mit ihren schneeweißen Haaren. Immer und immer wieder wurden wir gezwungen, uns Menschen zu beugen, die aussehen wie Yemi.

»Zélie, ich sage es nicht noch einmal.«

»Aber, Mama ...«

»Verbeug dich oder verlass den Ring! Du verschwendest unsere Zeit.«

Da ich keine andere Wahl habe, beiße ich die Zähne zusammen und gehorche. Yemis unerträgliches Grinsen wird noch breiter. »War das so schwer?« Provokant verneigt sie sich ein weiteres Mal. »Wenn du schon verlierst, dann mit Anstand.«

Die Mädchen unterdrücken ein Kichern, das Mama Agba mit einer forschen Handbewegung erstickt. Böse funkele ich die anderen an, dann konzentriere ich mich auf meine Gegnerin.

Wir werden ja sehen, wer als Letzte lacht.

»Grundstellung einnehmen!«

Wir drehen uns zum Rand der Matte und befördern unsere Stäbe mit einem Fußkick hoch. Yemi kneift die Augen zusammen. Ihr Killerinstinkt kommt durch, das höhnische Grinsen verschwindet.

Uns gegenseitig niederstarrend, warten wir auf das Signal. Ich befürchte schon, dass Mama Agba es ewig hinauszögern wird, dann ruft sie endlich: »Los!«

Augenblicklich bin ich in der Defensive.

Ehe ich mir etwas überlegen kann, wirbelt Yemi mit der Geschwindigkeit einer Gepardesse herum. Kurz schwingt sie ihren Stab über den Kopf, dann zielt sie auf meinen Hals. Die Mädchen hinter mir halten die Luft an, ich jedoch reagiere blitzartig.

Auch wenn Yemi geschickt ist – ich bin schneller.

Ich lehne mich weit zurück, kann ihrem Stab ausweichen. Sofort schlägt sie erneut nach mir, jetzt mit der Kraft eines Menschen, der doppelt so groß ist wie sie.

Ich springe zur Seite, rolle mich über die Matte ab. Ihr Stab trifft den Schilfboden. Sie holt Schwungfür ihre nächste Attacke, aber ich bin schon wieder auf den Füßen.

»Zélie!«, warnt mich Mama Agba, doch ich brauche keine Hilfe. In einer fließenden Bewegung springe ich hoch und stoße Yemi meinen Stab entgegen, um ihren Angriff zu parieren.

Laut krachen unsere Waffen aneinander. Die Schilfwände beben. Mein Stab vibriert von dem Zusammenprall, Yemi verlagert ihr Gewicht und zielt auf meine Knie.

Ich hole Schwung, drücke mich mit dem vorderen Bein ab und schlage ein Rad. Als ich über Yemis Stab hechte, bietet sich mir erstmals die Möglichkeit, sie anzugreifen.

»Huh!«, stoße ich aus und probiere, mit dem Schwung aus der Bewegung heraus selbst einen Treffer zu setzen. Na los ... Yemis Stab stoppt meinen Versuch, ehe ich richtig begonnen habe.

»Langsam, Zélie!«, ruft Mama Agba. »Du kannst jetzt nicht angreifen! Attackiere erst, wenn deine Gegnerin ungeschützt ist.«

Ich unterdrücke ein Stöhnen, nicke und mache einen Schritt nach hinten. Du bekommst schon deine Chance, rede ich mir ein. Warte einfach ab ...

»Brave Zélie!« Yemis Stimme ist so leise, dass nur ich sie wahrnehme. »Hör auf Mama Agba. Brave kleine Made!« Da ist es, das Wort.

Dieses elende, beleidigende Schimpfwort.

Voller Häme geflüstert. Dazu dieses unerträgliche Grinsen.

Ehe ich mich beherrschen kann, stößt mein Stab zu und verfehlt Yemis Kehle nur um Haaresbreite. Das wird mir eine gehörige Tracht Prügel von Mama Agba einbringen, aber die Angst in Yemis Augen ist es mir wert.

»He!« empört schaut Yemi zu Mama Agba hinüber, doch ihr bleibt keine Zeit, sich zu beschweren. Ich wirbele meinen Stab so schnell durch die Luft, dass sie große Augen macht, und greife erneut an.

»So geht das nicht!«, protestiert Yemi und springt beiseite, damit ich nicht ihre Knie treffe. »Mama ...«

»Brauchst du etwa Hilfe?« Ich lache gehässig. »Komm, Yemi! Wenn du schon verlierst, dann mit Stolz

In ihren Augen blitzt Zorn wie bei einer angriffslustigen Löwenesse. Erbittert umklammert sie ihren Stab.

Jetzt beginnt der wirkliche Kampf.

Immer wieder krachen unsere Stäbe aufeinander, lassen die Wände von Mama Agbas Ahéré erbeben. Bei jedem Knall lauern wir auf eine Chance, den entscheidenden Treffer zu landen. Gerade sehe ich eine Möglichkeit, da kommt mir Yemi zuvor.

»Argh!«

Ich taumele rückwärts, krümme mich keuchend. Mir wird übel. Kurz habe ich Angst, dass meine Rippen gebrochen sind, aber der Schmerz in meiner Bauchgegend sagt etwas anderes.

»Schluss!«

»Nein!«, widerspreche ich Mama Agba mit heiserer Stimme. Ich zwinge mich zu atmen und richte mich an meinem Stab auf. »Schon gut.«

Ich bin noch nicht fertig mit Yemi.

»Zélie ...«, setzt Mama Agba erneut an, doch Yemi wartet nicht ab, was sie sagen will. Blind vor Wut stürzt sie sich auf mich. Ihr Stab verfehlt meinen Kopf nur um wenige Zentimeter. Sie holt erneut aus, ich drehe mich von ihr weg. Bevor sie ihr Gewicht verlagern kann, wirbele ich herum und ramme ihr den Stab in die Brust.

»Ah!« Yemi verzieht das Gesicht vor Schmerz und Erstaunen. Sie stolpert rückwärts. Noch nie hat sie in einem Kampf bei Mama Agba einen Treffer kassiert. Sie weiß gar nicht, wie sich das anfühlt.

Bevor sie sich erholen kann, drehe ich mich geschickt und ziele auf ihren Bauch. Gerade will ich den entscheidenden Schlag setzen, da fliegen die rotbraunen Vorhänge vor dem Eingang zur Ahéré auf.

In der Tür steht Bisi. Ihre schmale Brust hebt und senkt sich hastig.

»Was ist?«, fragt Mama Agba.

Bisi treten Tränen in die Augen. »Entschuldigung«, schluchzt sie, »ich bin eingeschlafen, ich ... ich hab nicht ...«

»Heraus mit der Sprache, Kind!«

»Sie kommen!«, ruft Bisi. »Sie sind gleich da, jede Minute!«

Im ersten Moment bleibt mir die Luft weg. Wahrscheinlich geht es allen so. Die Angst lähmt uns.

Dann siegt der Lebenswille.

»Schnell!«, zischt Mama Agba. »Wir haben nicht viel Zeit!«

Ich ziehe Yemi auf die Füße. Sie schnappt immer noch nach Luft, aber ich kann mich jetzt nicht um sie kümmern. Ich sammele ihren Stab und alle übrigen ein.

In der Ahéré bricht Chaos aus. Alle laufen umher, um zu verbergen, was wir hier tun. Bunter Stoff fliegt durch die Luft, Schneiderpuppen aus Schilf werden verrückt. Hoffentlich können wir alles rechtzeitig verstecken! Ich muss mich auf meine Aufgabe konzentrieren: die Kampfstäbe unter die Matte schieben, wo sie niemand sieht.

Als ich fertig bin, drückt mir Yemi eine hölzerne Nadel in die Hand. Ich bin gerade auf dem Weg zu dem mir zugewiesenen Platz, als die Stoffbahnen über dem Eingang erneut zurückgeschlagen werden.

»Zélie!«, brüllt Mama Agba.

Ich erstarre. Alle Augen in der Hütte richten sich auf mich. Bevor ich ein Wort herausbringe, schlägt mir Mama Agba auf den Hinterkopf. Ein Schmerz, wie nur sie ihn auslösen kann, zieht meine Wirbelsäule hinunter.

»Bleib an deinem Platz!«, maßregelt sie mich laut. »Deine Arbeit ist noch nicht beendet.«

»Mama Agba, ich ...«

Mein Puls rast. Sie beugt sich vor, in ihren Augen schimmert die Wahrheit.

Das müsste genug Ablenkung sein ...

Sie verschafft uns ein wenig Zeit.

»Es tut mir leid, Mama Agba! Bitte verzeih mir!«

»Auf deinen Platz!«

Ich verkneife mir mein Grinsen, senke zerknirscht den Kopf und schiele zu den Soldaten hinüber, die gerade hereingekommen sind. Wie die meisten Menschen in Orïsha hat der kleinere der beiden einen Teint wie Yemi: ein Braun wie von abgewetztem Leder, umrahmt von dichtem schwarzem Haar. Obwohl nur junge Mädchen in der Hütte sind, liegt seine Hand am Heft seines Schwerts. Er umklammert es fest, als würde er jeden Moment von einer aus unserer Mitte angegriffen werden.

Der andere Mann ist größer. Ernst steht er da, ungewöhnlich dunkel für einen Wachsoldaten. Ich frage mich, ob er Divîné-Blut in den Adern hat, ob seine Haut seinen geheimen Makel verrät.

Beide Männer tragen das Wappen von König Saran deutlich sichtbar auf ihrem eisernen Brustpanzer. Beim ersten kurzen Blick auf die kunstvoll gestaltete Schneeleopardesse zieht sich mir der Magen zusammen, so furchtbar ist die Erinnerung an den Monarchen, der die zwei Soldaten geschickt hat.

Demonstrativ schmollend schleiche ich zu meiner Schneiderpuppe zurück, dabei knicken mir die Beine vor Erleichterung fast weg. Wo vorher eine Art Kampfarena war, befindet sich nun eine perfekte Schneiderei. Stoffe mit bunten Stammesmustern schmücken die Puppen vor den Mädchen, zugeschnitten und drapiert in Mama Agbas einzigartigem Stil. Seit Jahren nähen wir nun schon an den Säumen derselben Dashikis. Auch jetzt arbeiten wir schweigend vor uns hin und warten darauf, dass die Soldaten wieder verschwinden.

Mama Agba geht an den Reihen entlang und begutachtet die Arbeit ihrer Lehrlinge. Obwohl ich angespannt bin, muss ich schmunzeln, weil sie die Wachen warten lässt. Sie weigert sich schlicht, ihre unerwünschte Gegenwart zur Kenntnis zu nehmen.

»Kann ich irgendwie helfen?«, fragt sie schließlich.

»Zahltag!«, knurrt der dunklere Soldat. »Wir treiben die Steuer ein.«

Mama Agbas Gesicht sackt in sich zusammen wie die Hitze am Abend. »Ich habe meine Steuern bereits letzte Woche bezahlt.«

»Es geht nicht um die Gewerbesteuer.« Der Blick des zweiten Soldaten schweift über die Divînés mit den langen weißen Haaren. »Die Abgaben für Maden wurden erhöht. Du hast viele, also musst du nachzahlen.«

Na klar. Zähneknirschend reiße ich mich zusammen, um nicht aufzubegehren. Es reicht dem König nicht, die Divînés kleinzuhalten. Er will jeden brechen, der sie unterstützt.

Ich beiße die Zähne aufeinander und versuche, den Soldaten zu vergessen. Ich will ausblenden, wie er das Wort Maden ausgesprochen hat. Es interessiert ihn nicht, dass wir nie Maji sein werden, auch wenn es einst unsere Bestimmung war. In den Augen der anderen sind und bleiben wir Maden.

Etwas anderes werden sie nie in uns sehen.

Mama Agba presst die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen. So viel Geld hat sie auf keinen Fall. »Die Steuer für Divînés wurde bereits letzten Mond erhöht«, gibt sie zu bedenken. »Und den Mond davor.«

Der hellere Soldat tritt vor und greift nach seinem Schwert, bereit, es beim ersten Zeichen von Aufruhr einzusetzen. »Vielleicht solltest du dir ein paar Maden weniger halten.«

»Vielleicht solltet ihr aufhören, uns auszupressen.«

Die Worte sind heraus, bevor ich den Mund zumachen kann. Alle halten den Atem an. Ich umklammere den Stoff meiner Schneiderpuppe so fest, dass meine Fäuste schmerzen. Mama Agba erstarrt, ihre dunklen Augen flehen mich an, still zu sein.

»Divînés bringen kaum Geld ein. Wovon soll sie diese Erhöhung bezahlen?«, frage ich. »Man kann die Steuern nicht ständig erhöhen. Wenn das so weitergeht, bleibt ihr nichts zum Leben übrig!«

Die Art und Weise, wie der Wachsoldat zu mir herüberschlendert, macht mich unruhig. Am liebsten würde ich zu meinem Stab greifen. Wenn ich richtig träfe, könnte ich ihn mit einem Schlag von den Füßen holen; mit dem entsprechenden Schwung könnte ich seine Kehle zertrümmern.

Mir fällt auf, dass er kein normales Schwert hat. In der Scheide funkelt eine schwarze Klinge aus einem Metall, das wertvoller ist als Gold.

Majazit.

Eine Legierung, die König Saran vor der Blutnacht in Auftrag gegeben hat, um unsere magischen Kräfte zu zerstören und sich in unsere Körper zu brennen.

Wie die schwarze Kette, die sie meiner Mutter um den Hals legten.

Ein mächtiger Maji könnte der Legierung ihre Wirksamkeit nehmen, doch die meisten von uns schwächt das seltene Metall. Ich muss zwar keine magischen Kräfte unterdrücken, dennoch verursacht mir die nahe Majazitklinge eine Gänsehaut. Der Soldat drängt mich in die Enge.

»Wäre schlauer von dir, den Mund zu halten, kleines Mädchen.«

Er hat recht. Es wäre besser. Den Mund zu halten, die Wut runterzuschlucken. Um den nächsten Tag zu erleben.

Als er sein Gesicht ganz nah an meins schiebt, muss ich mich trotzdem zusammenreißen, um ihm nicht meine Nähnadel in das glotzende braune Auge zu stoßen. Ich sollte jetzt wirklich still sein.

Vielleicht sollte er aber auch einfach sterben.

»Und von dir wäre es schlauer, wenn –«

Mama Agba schubst mich so heftig zur Seite, dass ich hinfalle.

»Hier«, unterbricht sie mich und drückt dem Soldaten ein paar Bronzestücke in die Hand. »Nimm die.«

»Mama! Du kannst nicht –«

Sie dreht sich mit einem Blick zu mir herum, der mich verstummen lässt. Ich schließe den Mund, rappele mich auf und verstecke mich hinter dem gemusterten Stoff meiner Schneiderpuppe.

Der Soldat zählt die klimpernden Bronzestücke auf seinem Handteller. »Das reicht nicht«, brummt er.

»Es muss reichen«, erwidert Mama Agba voller Verzweiflung. »Mehr habe ich nicht. Das ist alles.«

Hass brodelt unter meiner Haut. Das kann nicht sein. Mama Agba sollte niemanden anflehen müssen. Ich hebe den Kopf und fange den Blick des Soldaten auf. Ein Fehler. Bevor ich mich abwenden und meine Abscheu verbergen kann, packt er mich an den Haaren.

»Au!«

Der Soldat schleudert mich zu Boden. Schmerz schießt mir durch den Schädel, mir bleibt die Luft weg.

»Vielleicht hast du nicht genug Geld.« Er bohrt mir das Knie in den Rücken, macht mir das Atmen noch schwerer. »Aber du hast auf jeden Fall genug Maden.« Mit grober Hand fasst er an meinen Oberschenkel. »Mit der hier fange ich an.«

Mir wird eiskalt, ich schließe die Augen und balle die Hände zu Fäusten, damit niemand mein Zittern sieht. Ich möchte schreien und dem Kerl jeden Knochen im Körper brechen, doch dann verlässt mich der Mut. Seine Berührung löscht alles aus, was ich bin, alles, wofür ich so hart gekämpft habe.

Ich bin wieder das hilflose kleine Mädchen, dessen Mutter von Soldaten fortgeschleppt wird.

»Es reicht!«, faucht Mama Agba wie eine bullhörnige Löwenesse, die ihr Junges beschützt. Sie schiebt den Wachsoldaten nach hinten und zieht mich an ihre Brust. »Ihr habt all mein Geld bekommen, mehr habe ich nicht. Jetzt verschwindet!«

Ihre kühnen Worte erzürnen den Mann. Er will sein Schwert zücken, doch sein Kamerad hält ihn zurück.

»Komm! Bis zur Dämmerung müssen wir mit dem ganzen Dorf durch sein.«

Obwohl der dunklere Soldat mit freundlicher Stimme spricht, hat er die Kiefer aufeinandergepresst. Vielleicht erkennt er in uns eine Mutter oder Schwester. Vielleicht erinnern wir ihn an jemanden, den er schützen würde.

Der hellere Soldat ist einen Moment lang so reglos, dass ich mich frage, was er als Nächstes tun wird. Schließlich nimmt er die Hand vom Schwert und durchbohrt Mama Agba stattdessen mit seinem Blick. »Bring diesen Maden bei, wie man sich benimmt«, warnt er sie. »Sonst mache ich das.«

(Continues…)


Excerpted from "Children of Blood and Bone"
by .
Copyright © 2018 Tomi Adeyemi Books Inc..
Excerpted by permission of S. Fischer.
All rights reserved. No part of this excerpt may be reproduced or reprinted without permission in writing from the publisher.
Excerpts are provided by Dial-A-Book Inc. solely for the personal use of visitors to this web site.

Table of Contents

[Widmung],
Die Clans der Maji,
[Prolog],
Kapitel 1 Zélie,
Kapitel 2 Zélie,
Kapitel 3 Amari,
Kapitel 4 Zélie,
Kapitel 5 Zélie,
Kapitel 6 Inan,
Kapitel 7 Zélie,
Kapitel 8 Inan,
Kapitel 9 Zélie,
Kapitel 10 Zélie,
Kapitel 11 Inan,
Kapitel 12 Zélie,
Kapitel 13 Zélie,
Kapitel 14 Inan,
Kapitel 15 Amari,
Kapitel 16 Inan,
Kapitel 17 Amari,
Kapitel 18 Zélie,
Kapitel 19 Inan,
Kapitel 20 Zélie,
Kapitel 21 Inan,
Kapitel 22 Amari,
Kapitel 23 Zélie,
Kapitel 24 Inan,
Kapitel 25 Zélie,
Kapitel 26 Inan,
Kapitel 27 Amari,
Kapitel 28 Amari,
Kapitel 29 Zélie,
Kapitel 30 Amari,
Kapitel 31 Zélie,
Kapitel 32 Amari,
Kapitel 33 Zélie,
Kapitel 34 Amari,
Kapitel 35 Inan,
Kapitel 36 Zélie,
Kapitel 37 Amari,
Kapitel 38 Zélie,
Kapitel 39 Inan,
Kapitel 40 Zélie,
Kapitel 41 Inan,
Kapitel 42 Amari,
Kapitel 43 Inan,
Kapitel 44 Zélie,
Kapitel 45 Inan,
Kapitel 46 Amari,
Kapitel 47 Inan,
Kapitel 48 Zélie,
Kapitel 49 Amari,
Kapitel 50 Inan,
Kapitel 51 Zélie,
Kapitel 52 Amari,
Kapitel 53 Zélie,
Kapitel 54 Inan,
Kapitel 55 Zélie,
Kapitel 56 Zélie,
Kapitel 57 Amari,
Kapitel 58 Inan,
Kapitel 59 Zélie,
Kapitel 60 Amari,
Kapitel 61 Zélie,
Kapitel 62 Amari,
Kapitel 63 Zélie,
Kapitel 64 Inan,
Kapitel 65 Amari,
Kapitel 66 Inan,
Kapitel 67 Inan,
Kapitel 68 Amari,
Kapitel 69 Inan,
Kapitel 70 Zélie,
Kapitel 71 Zélie,
Kapitel 72 Zélie,
Kapitel 73 Zélie,
Kapitel 74 Inan,
Kapitel 75 Zélie,
Kapitel 76 Amari,
Kapitel 77 Zélie,
Kapitel 78 Zélie,
Kapitel 79 Zélie,
Kapitel 80 Zélie,
Kapitel 81 Inan,
Kapitel 82 Amari,
Kapitel 83 Amari,
Kapitel 84 Zélie,
Kapitel 85 Zélie,
Epilog,
Anmerkung der Autorin,
Danksagung,

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